Letzter Tagesbericht: Ciao Verona!

Mit bangen Herzen laufen Birgit und ich die via IV Novembre Richtung Altstadt: wird Gerd erfolgreich den Weg ins Zentrum Veronas gefunden haben – ganz allein? Wie kam es dazu, dass Gerd die letzten 20 km allein on Tour ist?

Wir starten am Morgen bei üblichem heißen Wetter. Gerd fährt immer brav voraus und sucht den Weg – denn seine Bewährungsprobe steht ihm noch bevor! Bisher hat er sich immer darauf verlassen, dass ich den richtigen Weg finde: das letzte Teilstück muss er selbst den Fährtensucher machen!

Zunächst fahren wir über schöne und schattige Weg durch das wild-romantische Tal der Etsch, mal durch pittoreske Dörfer, dann durch Weinberge – bis der Weg plötzlich abweicht von der Karte: ganz neu führt nun der Weg direkt neben dem Kanal oberhalb der Etsch, sozusagen der Betriebsweg. Wir verlassen ihn kurz, um uns mit Birgit in Pilcante zu treffen, einem kleinen Kaff, in dem aber der Bär brummt: wir sitzen auf der riesigen Terrasse der Bar, neben uns trudeln die Senioren ein für ihren Frühschoppen, und wir betrachten das emsige Treiben vor den vier Marktständen auf dem Parkplatz gegenüber. Dann geht es ein Stück der Straße entlang, bis wir hinter Rivoli auf einen ganz neuen Radweg stoßen, der uns im engen Tal noch einmal einige Kehren bis auf eine Passhöhe führt, die einen herrlichen Blick zurück bietet. Dann geht es eine Schussfahrt bergab, bis wir wieder auf den Kanalweg einbiegen.

In Bussolengo stoppen wir kurz an einer Informationstafel und erkennen, dass der Weg weiterhin direkt am Kanal bis ins Herz von Verona führt – also nicht am vereinbarten Treffpunkt mit Birgit vorbei, wo ich mein Rad aufladen und das Auto in die Stadt bringen will. Also muss Gerd schon hier allein weiter – dann gebe ich Gerd mein Handy und jeder zieht seiner Wege. Ich finde die Brücke über die Etsch, aber die ist wegen Baufälligkeit gesperrt. Sie sieht wirklich sehr einsturzgefährdet aus! Da aber ein Absperrgitter schon etwas beiseite geschoben ist, ignoriere ich die Verbotsschilder und schiebe mit klopfendem Herzen mein Rad hinüber. Dann schnell nach Pescatina, wo ich an der riesigen Kirche Birgit nicht entdecken kann, obwohl dort ein riesiger Parkplatz ist. Mir schwant Übles, zumal ich meiner Kommunikationsmittel beraubt bin, und sehe mich hier schon alt und grau werden. Dann fahre ich weiter in den Ort und suche in den verwinkelten Gassen nach weiteren Kirchen: wo mir Birgit entgegen kommt, der es genauso geht. Nur konnte ich mit dem Rad eleganter durch die engen Gassen kurven.

Das Rad ist aufgeladen, ich setze mich ans Steuer und fahre den Wagen ohne Navigationsgerät an den Rand des Zentrums und finde einen Parkplatz – zu Birgits Leidwesen in der prallen Sonne. Dann marschieren wir Richtung Arena – und gerade als wir den großen Platz mit der Arena erreichen, schiebt in der Ferne weithin sichtbar im roten Trikot Gerd sein Rad aus der entgegengesetzten Richtung heran! Er hat es tatsächlich geschafft! Darüber ist er mächtig stolz. Ich meine jetzt nicht die 600 km, sondern dass er allein ins Ziel gefunden hat.

Das Abenteuer ist zu Ende. Lebt wohl, verehrte Leserinnen und Leser. Vielleicht ein anderes Mal…

4 Gedanken zu “Letzter Tagesbericht: Ciao Verona!

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