Tagesbericht 6: Bergfest

Heute starten wir schon um 8 Uhr: was vor allem daran liegt, dass Mitten in der Nacht ein Bus voller rumänischer Touristen eingetroffen ist, wegen denen wir ins dunkle Kaminzimmer umziehen müssen und das gleiche schlechte Frühstück bekommen.

Es ist noch schön frisch und Gerd läuft so schnell, als wären seine Füße in Ordnung. Das Inntal ist direkt hinter Landeck eng und wild-romantisch mit einem reißenden Fluss. Kurz hinter Fließ, also keine fünf Kilometer vom Start weg, überholt uns wieder unser Bekannte aus Wetzlar. Ich vermute, er hat heute den Ehrgeiz, vor uns in Nauders zu sein.

In Tösens erwartet uns Birgit zur ersten Verpflegungspause. Gerd ist immer noch guter Dinge, aber hin und wieder klagt er schon über Schmerzen. Inzwischen ist es auch wieder brütend heiß geworden. Aber Gerd will unbedingt seinen alten Rekord einstellen: sechs Ultras in Folge. Aber ich habe schon einen Trumpf in der Hinterhand.

Wir laufen durch das malerische Pfunds, wo uns wenige Kilometer später Birgit an einem Campingplatz erwartet. Ich bin überrascht, dass Gerd meinem Vorschlag folgt: Er nimmt das Fahrrad vom Wagen, sucht seinen Helm und Handschuhe zusammen und wird das Rad so lange schieben, bis er 43 km gerannt ist, und dann in den Sattel steigen.

Die neun Kilometer bis Zollamt Martina sind für ihn ein Spießrutenlauf: immerhin schiebt er davon den größten Teil. Bergauf geht es ja noch und er erntet mitleidige Blicke, es halten sogar zwei Autos an und fragen, ob sie helfen können – aber bergab schieben ist eben sehr ungewohnt und bringt ihm eher Kopfschütteln ein. Wie erleichtert er ist, als er endlich aufsteigen und den Resz bergab rollen kann!

Von Martina bis zur Norbertshöhe über Nauders sind 11 Kehren zu bewältigen. Wir liefern uns einen sportlichen Wettstreit: wer ist zuerst oben? Ich lasse ihm einen Vorsprung, da ich im Vorteil bin: schließlich  habe ich Klickpedale und eine Trinkflasche. Als er zum erstenmal aus dem Sattel steigen muss, um seine Sprudelflasche aufzuschrauben, ziehe ich an ihm vorbei: aber er hat mich bald wieder eingeholt. Dann – vor Kehre 7 – starte ich einen Angriff und überhole ihn überraschend dank meines enormen Tempowechsels; allerdings muss ich die Führung vor Kehre 6 wieder abgeben. Leider ist Gerd auch im Radfahren ein kleines Kraftpaket. Aber als er in der vierten Kehre noch einmal aus dem Sattel steigt, wittere ich meine Chance, ziehe in hohem Gang an ihm vorbei, halte mit dem Rest meiner Reserven den Vorsprung über Kehre 3 und Kehre 2 und erreiche das Ziel mit hauchdünnem Vorsprung – doch halt, hier geht mir meine Phantasie durch, denn schon vor der letzten Kehre hat mich Gerd wieder eingeholt und fährt sogar noch 50 Meter Vorsprung ins Ziel heraus. Aber immerhin bin ich im Sattel geblieben! Und vor der letzten Kehre überholen wir wieder unseren Freund aus Wetzlar – der staunt nicht schlecht!

Es folgt eine schöne Abfahrt nach Nauders, wir beziehen unsere Pension und werden nachher mit dem Bus-Shuttle zurück zur Norbertshöhe zum Abendessen gebracht. 

Was wird Gerd morgen tun – laufen oder radeln? Das erfahrt ihr hier morgen früh um 7. Noch 300 km bis Verona.

3 Gedanken zu “Tagesbericht 6: Bergfest

  1. Hochachtung und Respekt über Eurer Leistung (Gerd und Gunnar) !!! Weiterhin schmerzfreie Kilometer
    Hochachtung und Respekt auch an unsere Birgit die sich alleine zurecht finden muß 🙂 🙂 🙂 Uwe und Gabi

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