Tagesbericht 5: Es kommt, wie es kommt…

Heute geht es nach einem wahrhaft fürstlichen Frühstück bergab Richtung Nasserieth – mein Ranzen spannt und gibt mir eine gute Abwärtsgeschwindigkeit dank des Gewichts, so dass ich immer wieder Gerd weit davonrolle, um die Bremsen meines Fahrrades nicht zu sehr zu strapazieren: dann warte ich auf ihn, ehe es weitergeht: je länger der Tag dauert, desto mehr ersehnte kurze Ruhepause…

Gefühlt geht es heute nur bergab, was aber täuscht, denn wir kriegen heute immerhin wieder 324 Höhenmeter zusammen! 

Hinter Nassereith muss ich meine ganze Stimmgewalt aufbringen, sonst wäre Gerd in den Waldweg eingebogen, obwohl zwei riesige Schilder unübersehbar darauf hinweisen, dass der Weg wegen Unwetterschäden vorübergehend gesperrt ist. Gerd is not amused, da die Umleitung ein gutes Stück zurück führt, aber dann ist er von dem herrlichen Weg zwischen den imposanten Bergen an einem klaren Bach entlang begeistert. Einziges Problem: heute plagen uns die Rossbremsen unerbittlich. Als wir dann wieder auf den eigentlichen Weg geleitet werden, holt uns ein Radfahrer ein. Es stellt sich heraus, dass er wie wir am Samstag gestartet ist: aber von Augsburg: also müssen wir ihn unterwegs überholt haben…

Als wir Imst passieren, merkt Gerd, wie gut es ist, dass er eine perfekte Tourleitung dabei hat: ohne meine korrigierenden Zurufe hätte er sich gleich dreimal für den falschen Weg entschieden! Aber Imst ist groß und unübersichtlich…

Nach Imst müssen wir langweilige fünf Kilometer direkt neben der Autobahn rennen, aber da es in diesem Abschnitt leicht regnet, kommt Gerd schnell voran. In Schönwies überrascht uns Birgit mit einer noch warmen Frikadelle im Laugenzopf und kühlem Radler. So gestärkt geht es wie im Flug weiter – allerdings sticht jetzt die Hitze sehr und der Weg geht rauf und runter, aber da wir Burg Schrofenstein im Blick haben, also immer das Ziel im Blick, läuft es wie von selbst. Kurz vor Landeck holt uns wieder der Radfahrer von vorhin ein (den wir also wieder überholt haben) – er fährt eine Weile neben mir her, ich erfahre, dass er aus Wetzlar kommt, dass er zeltet, dass es seine erste Tour ist. Ich empfehle ihm, morgen nur bis Nauders zu fahren, da er auch in Landeck bleibt – er überlegt, dass dies eine gute Idee ist, da er nicht schneller ist als wir.

Während sich Gerd im Hotel Sonne erholt, gehen Birgit und ich schoppen, besichtigen die schöne Pfarrkirche und erfahren auf dem Friedhof, dass die Gräber nur halb so lang sind aus Platzgründe: die Wege zwischen den Gräbern führen also über die Füße der Bestatteten.

Nach 45 Kilometern freue ich mich jetzt auf ein Wiener Schnitzel. Noch 342 km bis Verona.

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